Wir können nicht annehmen, dass der heutige Junggesellenverein eine Begründung bei den alten Germanen findet, jedoch entstand nach dem 30-jährigen Krieg irgendwann der „Reih“ der Hemmericher Junggesellen als Vorläufer des heutigen Vereines. In der „Reih“ der Junggesellen scharten sich die männlichen Dorfjünglinge früher zusammen. Die Älteren unter ihnen vermittelten den Jüngeren nicht nur heimatliches Brauchtum, sondern führten sie auch in das Dorfleben ein. Das Gegenstück der „Reih“ war der Zusammenschluss der Mädchen des Ortes, der „Rosengarten“ (wohl in Anlehnung an einen deutschen Volksepos des 13. Jahrhunderts), ein Name, der heute verklungen ist. Jeder „Reih“ hatte ein Brauchtumsbuch, den so genannten „Mottekopp“, in dessen Mittelpunkt die menschliche Liebe stand. Mitglied des Vereins konnte jeder unbescholtene Junggeselle werden. Der Vorstand bestand aus dem Schultheiß, dem Schreiber, den beiden Feldhütern zur Überwachung der Gesetze und Vorschriften, dem Richter sowie einem Gerichtsschreiber und einem Fähnrich.

Bei der Versteigerung der Mailehen, die ursprünglich am Ostermontag geschah, hat jeder Junggeselle die Pflicht, zu pachten. Nur Hemmericher Mädchen kamen in die Versteigerung. Nach der Versteigerung beginnt die „geschlossene Zeit“, in der ein Junggeselle nur mit dem Mädchen noch ausgehen und sprechen darf, das er gepachtet hat. Der „Mottekopp“ beinhaltet aber nicht nur die Regeln über die Mailehenversteigerung, sondern auch die Sprüche und Anreden in poetisch gereimten Versen, wenn die im „Reih“ verbundenen Junggesellen am Vorabend (Polterabend) den Brautleuten ihre Aufwartung machten und das so genannte „Hüllbier“ abholten. Der Name „Hüllbier“ kommt vom Heulen und Jammern der Junggesellen, wenn ein Bräutigam eine Dorfschöne aus dem „Rosengarten“ führte. 

Ebenso fanden Anstandsregeln und Sitten, die den Jahreskreislauf des Junggesellenlebens begleiteten, hier im „Mottekopp“ ihre Niederschrift. Wenn auch der „Mottekopp“ der Hemmericher Junggesellen leider nicht immer erhalten ist, so wurden die Bräuche und Gesetze über die Generationen übertragen. Viele sind auch heute  noch bekannt, können jedoch in unserer modernen Zeit nicht mehr die gewichtige Beachtung finden, wie noch zu den Anfängen des Junggesellenvereins. Im Monat Mai war es zum Beispiel verboten, von der linken Seite auf das Fahrrad aufzusteigen, den „Kaasch“ (Hacke) und andere Geräte auf der rechten Schulter zu tragen. Der „Kipp - Ploch“ (Kipp-Pflug) musste nach dem Abspannen am Mittag oder Abend mit dem Gesicht zum Dorf hingestellt werden. Die Tagesarbeit durfte am Morgen nur mit gewichsten Schuhen begonnen werden. Beim Ritt auf dem Pferd durften die Beine nur nach der Seite herunterhängen. Solche u. ä. Maigebote wurden beim Verstoß mit einem „Protokoll“ von 10 Pfennig geahndet. Gemäß einer Reichsverfassung von 1871 musste jede Vereinigung oder Verbindung eine Satzung aufweisen und der örtlichen Polizeibehörde zur Prüfung vorlegen. Dieser Verfügung kamen auch die Hemmericher Junggesellen nach. Der Verein hatte den Zweck „Die volkstümlich gewordenen Gebräuche, die Verpachtung der Mailehen, Mailehenzeit, das Maifest selbst und das Holen des Hüllebiers in ehrendem Andenken zu halten. Die Mitglieder sollen zur wahren Bürgertugend angehalten werden und Frohsinn und Gemütlichkeit pflegen. Die Mitglieder weiter in brüderlicher Eintracht zu erhalten und zu stärken und für gemeinnützige Zwecke Sorge tragen.“ Schriftliche Dokumente, die den Beweis des Gründungsjahres 1877 erbringen, gibt es nicht mehr. Zahlreiche alte Bilder, Aussagen von alten Mitgliedern wurden überliefert und Hinweise auf alten Fahnen sprechen jedoch nur von einem Gründungsjahr gemäß der behördlichen Auflagen von 1877. Das 110-jährige Jubelfest kann also mit behördlicher Genehmigung begangen werden. In den ersten Jahrzehnten nannte sich der Verein „Eintracht“. Es ist nicht genau überliefert, wann eine Namensänderung erfolgte. Wie auch der Versuch einer Chronik beim 100-jährigen Bestehen nur auf alte Überlieferungen zu stützen ist.