Schriftliche Dokumente, die einen Nachweis des Gründungsjahres 1877 erbringen, existieren leider nicht mehr. Dennoch weisen zahlreiche alte Bilder, Aussagen von alten Mitgliedern und Hinweise auf alten Fahnen nur auf ein Gründungsdatum hin, nämlich genau dieses 1877. In den ersten Jahrzehnten seiner Existenz trug der Verein den Beinamen „Eintracht“. Wann letztendlich die Namensänderung erfolgte ist nicht genau bekannt.

Eine Chronik des Vereins muss sich deshalb notgedrungen auf die Zeit nach dem ersten Weltkrieg beziehen. 1919/20 brachten einige aus dem Krieg heimgekehrte Männer neues Leben in den Verein, welcher auf einem Bild aus dem Jahre 1920 schon eine stattliche Mitgliederzahl vorweisen kann. Die nun folgenden Jahre der Inflation waren auch für einen Junggesellenverein schwer. Aber bereits 1924 lässt sich wieder aktives Vereinsleben nachweisen. Im Jahre 1927 feierte man dann einen der Höhepunkte der Vereinsgeschichte: das 50 jährige Bestehen des JGV Hemmerich. In den folgenden Jahren erblühte der Verein, dessen jährliche Feste immer Höhepunkte im Dorfleben Hemmerichs darstellten.

Zum Maifest wurden viele auswärtige und befreundete Vereine eingeladen, welche auf Ihrem Stiftungsfest im Gegenzug selbstverständlich mit einem Besuch der Hemmericher Abordnung rechnen konnten. Diese Feste waren mit einem Preisfähndelschwenken verbunden, bei dem es einen Meisterschafts- oder Ehrenpreis zu gewinnen gab. Bei guten Beziehungen zwischen zwei Vereinen, so wird es behauptet, hätte der Fähnrich die Fahne fallen lassen können um dennoch die Meisterschaft zu erringen. Dies soll jedoch auf Gegenseitigkeit beruht haben. Weiterhin wurde beim Vorbeimarsch am Maikönigspaar noch ein Präsidentenpreis „für stramme Haltung“ verliehen, es gab einen Preis für die weiteste Herkunft und den Preis für die Meistbeteiligung. Das Preisfähndelschwenken wurde damals im Tanzsaal ausgetragen, da dort Windstille herrschte. Hierbei stand der Fähnrich in einem engen Kreidekreis, dessen Übertreten Minuspunkte bedeutete. Am Abend schwenkten die drei besten Fähnriche dann in der Regel um den Sieg, was man als „Drumschwenken“ bezeichnete. Die Junggesellen kamen von diesen Festen in der Nacht von Sonntag auf Montag gerne angeheitert und singend nach Hause, was dem Pastor des Dorfes bisweilen sehr missfallen haben soll. Diesen Ärger durften dann die Schulkinder am Montagmorgen über sich ergehen lassen.

Kirmesmontag fand der traditionelle Köttzug durch das Dorf statt, wobei auf den Höfen von Gönnern des Vereins das Fähndel geschwenkt und die Frau des Hauses zu einem Ehrentanz eingeladen wurde. Heutzutage findet der Köttzug am Kirmessonntag statt, der Erfolg für den Verein ist jedoch derselbe geblieben. Eine weitere Besonderheit des Kirmeswochenendes liegt in der Verbrennung des Kirmesmannes, früher „Zachäus“ und heute „Paies“ genannt. Am Kirmesmontag wurde der Zachäus öffentlich aller möglichen Delikte, die im Laufe des Jahres im Dorf angefallen waren, angeklagt. Das Todesurteil „Tod durch Verbrennung“ war ihm gewiss. Am Kirmesmittwoch fand er dann nach einem „Trauermarsch“ durchs Dorf auf dem „Löngdepool“ ein mit vielen Zeremonien versehenes Ende. Der Rest des Kirmesgeldes, soweit noch vorhanden, wurde für den Leichenschmaus verwendet.

Stets mit Freude wurde in der langjährigen Vereinsgeschichte die Mailehenversteigerung wahrgenommen. Am Ostersonntag werden dann, heute wie damals, alle unverheirateten Mädchen des Ortes unter den Mitgliedern des Vereins gegen ein Höchstgebot versteigert. Das Paar mit dem Höchstgebot stellt das neue Maikönigspaar Hemmerichs. Diese Versteigerung erlangte vor allem dann Spannung, wenn mehrere Junggesellen an ein und demselben Mädchen interessiert waren. So wurde im Laufe der Jahre so manches Gebot gegenseitig in die Höhe getrieben. Die Mainacht ist eine feuchtfröhliche Angelegenheit, früher ging man am Abend, natürlich mit ausreichend geistigen Getränken bepackt, in den Wald um die Maibäume zu schlagen. Diese wurden ins Dorf geschleift und in der Mainacht in den Kamin des Hauses der Maibraut gesteckt. Obwohl die Bauern ihre Leitern immer rechtzeitig in Sicherheit brachten, waren stets genügend davon vorhanden. Man kann sich denken, dass es auf den Dächern nicht immer ohne Scherben abging, aber schließlich waren die Väter der Maibräute ja auch einmal Junggesellen gewesen und brachten daher Verständnis auf. Eigentümlich für Hemmerich war, dass die Maikönigin immer einen geschmückten Tannenbaum bekam, während alle übrigen Mädchen einen kleinen ungeschmückten Birkenmaibaum erhielten. In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Sitte zum Teil geändert, so dass die teilweise großen Bäume vor das Haus gestellt werden und geschmückt sind. In diesem Zusammenhang müssen noch einige Maibräuche erwähnt werden.

So werden nach der Versteigerung sogenannte „Maibriefe“ den Mädchen ins Haus gebracht. In diesen Briefen steht geschrieben, wer das Mädchen ersteigert hat. Allgemein fällt dann eine Spende für den Verein oder etwas Flüssiges ab. Die Eltern der Maikönigin waren natürlich besonders stolz, wenn Ihre Tochter frisch gekrönt durch das Dorf fuhr. Alte Statuten enthalten Maigebote für den Junggesellen. So sollte der Käufer seine Maibraut oder Maibräute im Mai wenigstens einmal wöchentlich besuchen, wobei jedoch nicht übermittelt ist, ob und wie dieses Gebot eingehalten und nachgeprüft wurde. Andere Maigebote muss man aus der damaligen Zeit sehen. So war es im Mai z.B. verboten, von der linken Seite auf das Fahrrad aufzusteigen, den „Kaasch“ (Hacke) und andere Geräte auf der rechten Schulter zu tragen.

Der Kipppflug musste nach dem Abspannen am Mittag oder Abend mit dem Gesicht zum Dorf hingestellt werden, am Morgen durfte nur mit gewichsten Schuhen ins Feld gegangen werden usw. Diese und ähnliche Maigebote wurden bei Verstoß mit einem „Protokoll“ von 0,10 Reichsmark geahndet. Im Jahr 1939 setzte der Beginn des zweiten Weltkrieges dem blühenden Vereinsleben ein jähes Ende.

Aber schon am 15. März 1946 fanden sich 7 Junggesellen zusammen, um den Junggesellenverein „Einigkeit“ wieder mit Leben zu erfüllen. Über die Kriegswirren hinaus war eine alte Fahne gerettet worden. Mit fünf Pfund Speck, vielen guten Worten und Laufereien gelang es, in der Bonner Fahnenfabrik eine zweite Fahne zu erwerben. Am 04. August 1946 folgte dann ein absoluter Höhepunkt. Der Verein hatte zur Vorgebirgsmeisterschaft im Fähndelschwenken eingeladen, und 22 Vereine von nah und fern waren der Einladung gefolgt.

Die „Kölnische Rundschau“ schrieb in Ihrer Ausgabe vom 06. August treffend:

„Ganz Hemmerich stand Kopf“.

Dem Hemmericher Fähnrich wurde von einem neutralen Kampfgericht eindeutig die Meisterschaft zugesprochen. In den folgenden Jahren, insbesondere nach der Währungsreform von 1948, normalisierte sich das Vereinsleben zusehends. Ein breiteres Angebot an Vergnügungsarten wie das Auto, die Discothek, Sport und Ähnliches, führte zwangsläufig zu geringerem Interesse am Verein. Die großen Stiftungsfeste mit dem Besuch auswärtiger Vereine gingen zurück, Tanzveranstaltungen im alten Stil waren nicht mehr gefragt.

Das Vereinsleben musste sich also auf die veränderten Vorzeichen umstellen. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch wieder ein Auftrieb zu verzeichnen, das Maifest wird wieder als Dorffest gefeiert. War es für ein Maipaar in früheren Jahren etwas Besonderes, mit dem Auto im Festzug zu fahren, so hat man nun wieder die schöne alte Pferdekutsche entdeckt .In seiner langjährigen Geschichte hat der JGV Einigkeit Hemmerich viele Höhen und Tiefen durchschritten. Neben der Veranstaltung glanzvoller Feste gab es auch das ein oder andere Mal Krach unter den Mitgliedern. Doch schließlich fanden sich immer beherzte Junggesellen, die bereit waren, den Verein weiter zu führen.

Möge der Junggesellenverein „Einigkeit“ auch in Zukunft die Geselligkeit und die alten Bräuche pflegen und hochhalten, um ein gesundes Miteinander im Dorf zu fördern.